Die kostümierte Fortschrittsfreude


KleingärtneridyllIMAS Report Nr. 7/ Nov.2014
Das täglich getrommelte Motto für die Zukunftsbewältigung lautet „Mehr Bildung“, „Mehr Innovation“, „Mehr Reformen“, „Mehr Elan“. Die Bevölkerung hat die Zauberformeln inzwischen gelernt und schlüpft willig in das angepriesene Kostüm. Aber werden die Deutschen der Erwartungshaltung von Fortschrittlichkeit auch gerecht? Die Ergebnisse einer Vitalitätsstudie des Münchner IMAS-Instituts sind ernüchternd.

Die empirische Gegenprobe besagt nämlich, daß die Bevölkerung die von ihr geforderte Fortschrittsgesinnung zwar deklamiert, sie aber nicht vollzieht. Deklamation und Realität sind sogar gegenläufig. Tatsache ist, dass sich die Deutschen in deutlich größerer Zahl als früher den „fortschrittlichen. modernen Menschen“ zuordnen, während ihre Berufsorientierung eine stark rückläufige Tendenz aufweist. Die Reformfreudigkeit hat sich um keinen einzigen Prozentpunkt erhöht und verharrt weiterhin an vorletzter Stelle des demoskopisch abgefragten Selbstverständnisses.

Es ist unverkennbar, dass die Bevölkerung trotz einer relativ häufig verkündeten Fortschrittsgesinnung alles in allem wenig Freude an Veränderungen und Reformen verspürt. Die Antworten auf eine Rahmenfrage der Vitalitätsstudie lassen vermuten, dass ein Verharren in der gegenwärtigen Lebenslage für einen respektablen Teil der Bevölkerung sogar eine gewisse Verlockung darstellen würde. Eine knappe Mehrheit von 41:38 Prozent ist jedenfalls mit dem, was man bisher erreicht hat, zufrieden.

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