IMAS-Euro-Neigbourhood-Monitor: Franzosen, Österreicher, Briten hoch im Kurs


IMAS-Marktforschung rund um den GlobusIMAS-Polit-Report Nr. 3 /Juni 2016

Franzosen, Österreicher, Briten, Holländer und Schweizer sind bei den Deutschen hoch im Kurs – Die innere Integration der Europäer ist aber noch meilenweit vom Ziel entfernt.

Europa blickt in diesen Tagen mehr denn je erwartungsvoll auf Deutschland als dem volkswirtschaftlichen Schwergewicht in der Mitte des Kontinents. Wie sehen die Deutschen eigentlich die Europäer? Welche Länder sind ihrer Meinung nach vorrangig für enge Beziehungen; wo liegen die wichtigsten Absatzmärkte; welche Nationen sind den Deutschen gefühlsmäßig am ähnlichsten? Wie stark ist insofern das quasi-familiäre Empfinden innerhalb der EU?

Das Münchner IMAS-Institut hat bei 2000 Erwachsenen Antworten darauf gesucht. Die unmittelbar vor dem britischen Votum durchgeführte Erhebung liefert interessante Einblicke in die mentalen Bindungen der Bevölkerung zu anderen Ländern.

Frankreich als Partner Nr. 1

Möglichst gute und enge Beziehungen wünschen sich drei Fünftel der Deutschen (59 Prozent) vor allem mit Frankreich, gefolgt von Österreich (49 Prozent) und Großbritannien (47Prozent). Der Zahlenbefund läßt keinen Zweifel daran, daß das Vereinigte Königreich zumindest bis zum Referendum über den Austritt aus der EU einen sehr hohen Stellenwert bei den Deutschen besaß. Zu deren besonders geschätzten Partnern zählen ansonsten noch Holland und die Schweiz (von je 41 Prozent erwähnt). Rund jeder dritte Deutsche unterstrich ansonsten die Bedeutung guter Kontakte zu Dänemark, Spanien, Italien, Polen, Schweden Belgien und Norwegen. Alle übrigen der insgesamt 29 getesteten Staaten, darunter die Türkei, Rußland und das Gros der ehemaligen Ostblockländer haben für die Kontaktpflege der Deutschen ein deutlich geringeres Gewicht.

Die nützlichsten Absatzmärkte

Auf bei Frage, welche Länder einen besonders guten Absatzmarkt für die eigene Wirtschaft darstellen, nimmt Frankreich (mit 47 Prozent) den Spitzenplatz auf der Bedeutungsskala ein, diesmal gefolgt von Rußland (41 Prozent), Großbritannien (35 Prozent) und Österreich (30Prozent). Von den restlichen Ländern werden von den Deutschen allenfalls noch Holland, Spanien, Schweiz, Italien, Polen und die Türkei als nützliche Absatzmärkte empfunden. Auffallend gering bewertet werden von der deutschen Bevölkerung die meisten ehemaligen Ostblockländer sowie die skandinavischen Staaten.

Die Wesensverwandtschaften

Recht mager fielen die Antworten aus, als sich das Institut nach den Wesensverwandtschaften der Europäer mit der eigenen Bevölkerung erkundigte. Die mit Abstand stärkste mentale Ähnlichkeit empfinden die Deutschen (von 56 Prozent genannt) mit den Österreichern und (zu 38 Prozent) mit den Schweizern, somit also den deutschsprachigen Nachbarn. In die Nähe dieser Gefühlsbindungen kommt am ehesten Holland (mit einer Nennquote von 30 Prozent).

Aufgrund der überwiegend äußerst geringen Belegungen von zumeist weniger als 5 Prozent muß man den Schluß ziehen, daß die Beziehungen der Deutschen zur Mehrheit der Europäern weit eher von rationalen Nützlichkeitsüberlegungen als vom Gefühl einer Wesensverwandtschaft gesteuert werden. Ganz besonders groß ist die mentale Distanz der Deutschen zur Ukraine, den Balkanländern Serbien, Bosnien, Mazedonien und der Türkei. Zu all diesen Nationen verspürt nur jeder 50. Deutsche eine Ähnlichkeit im Denken und Verhalten.

Die empirischen Befunde stimmen nachdenklich. Während die europäischen Gastländer große Anstrengungen unternehmen, um die massenhaft zuwandernden Ethnien aus dem Nahen Osten und Afrika in die eigene Gesellschaft möglichst konfliktfrei einzugliedern, ist die innere Integration der Europäer einstweilen meilenweit vom Ziel entfernt. Der Weg zum Zusammenwachsen innerhalb der EU ist noch weit und mühsam.

Tabelle der präferierten EU-Länder