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Wenig Gesprächs-Kontakt mit Zuwanderern


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IMAS-Report Nr. 5 /Dezember 2017

Kaum ein Fünftel der Bundesbürger spricht häufig mit Zuwanderern aus dem Orient oder Afrika – Gefühlsbeziehung zu Deutschland bestimmt die Kontaktfreudigkeit.

Gemeinsames Denken und Fühlen heißt auch miteinander reden. Das persönliche Gespräch ist das Schlüsselerlebnis für Vertrautheit und Sympathie. Ausgehend von dieser fast banal klingenden Erkenntnis  ist das Münchner IMAS-Institut der Frage nachgegangen, wie es eigentlich mit der Gesprächsbeziehung zwischen der deutschen Stammbevölkerung und den Flüchtlingen und Asylanten aus Afrika oder dem Orient bestellt ist. Die Antworten der 1150 repräsentativ ausgewählten Bundesbürger verdeutlichen die Schwierigkeiten der Integration und stärken den Zweifel am baldigen Zusammenwachsen zwischen Einheimischen und den  Ankömmlingen aus fremden Kulturen:

  • Nur ein knappes Fünftel der Bevölkerung (19 Prozent) unterhält sich zumindest „ziemlich oft“ mit den Zugewanderten aus europafernen Kulturen, gar nur vier Prozent tun dies „sehr oft“;
  • Insgesamt 75 Prozent der Deutschen kommen allenfalls „ganz selten“ mit Afrikanern oder Asiaten ins Gespräch. Darunter befinden sich 39 Prozent, bei denen dies „eigentlich nie“ der Fall ist.

 

Ergebnis-Tabelle

Methodik: Persönliche (face-to-face) Interviews, 1.153 Befragte, statistisch repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren. Quota-Auswahl.

 

Deutsches Selbstwertgefühl als Unterscheidungsmerkmal

Was erheblich schwerer wiegen dürfte, sind  die mentalen Distanzgefühle der Bevölkerung. Bestätigungen für diese Annahme ergeben sich aus Antworten zu einer Frage, mit der sich das IMAS nach den Motiven des Stolzes der Deutschen auf ihr Land erkundigte.

Quintessenz der demoskopischen Recherche: Personen ohne nennenswerte Gesprächsbeziehungen zu Migranten verweisen weitaus häufiger auf die vom Institut zur Auswahl gestellten Vorzüge Deutschlands und haben somit eine ungleich stärkere Gefühlsbeziehung zu ihrem Land als Mitbürger, die einen intensiven Umgang mit Migranten  pflegen.

Ganz besonders ausgeprägt ist der Stolz der Kontaktabstinenten auf Vorzüge, die gewöhnlich als charakteristische Merkmale der Deutschen gelten, nämlich: „Fleiß und berufliche Tüchtigkeit“, „Qualität der Erzeugnisse“, „Ordnungsliebe, Gründlichkeit, Redlichkeit“, „unsere Art zu leben, unsere Sitten und Gebräuche“, „unseren Wohlstand und die Wirtschaftskraft“ sowie „unsere Forschungserfolge in Technik, Wissenschaft, Medizin“.

Weniger markant sind die Ergebnisunterschiede im Hinblick auf „unsere Fortschrittsfreudigkeit  und modernes Denken“, „unsere christliche Gesinnung, Gläubigkeit“ sowie „unsere Armee, die Bundeswehr“. Es sind dies Tugenden, die ganz allgemein auf den untersten Stufen des deutschen Selbstwert-gefühls zu finden sind.

Alles in allem überwiegt der Stolz auf Deutschland bei Personen ohne Migrantenkontakten den der Gegengruppe im Durchschnitt mit einem massiven Plus von 19 Prozent.

Nicht bezweifelt werden kann, dass es sich bei Bürgern, die so gut wie keine Gespräche mit Zuwanderern aus Afrika oder dem Orient führen, um einen speziellen Typus von Deutschen  handelt, nämlich Menschen mit einer ausgeprägten Heimatbezogenheit. Die Kontaktabstinenz mit fremden Ethnien ist nicht in erster Linie situationsbedingt, sondern Ausdruck eines mentalen Distanzbedürfnisses.

Ergebnis-Tabelle 2

Methodik: Persönliche (face-to-face) Interviews, 1.153 Befragte, statistisch repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren. Quota-Auswahl.

Ausblick

Der Versuch, aus den ermittelten Sachverhalten eine Schlussfolgerung zu ziehen, zwingt vorerst zu einer Betrachtung der demografischen Gegebenheiten.
Demgemäß leben in Deutschland derzeit 82,7 Millionen Menschen. Darunter befinden sich 18,6 Millionen mit Migrationshintergrund. Dies entspricht einem Anteil von rund 22,5 Prozent. Etwa 2,3 Millionen der Zugewanderten haben ihre Wurzeln im Nahen oder Mittleren Osten, weitere 750 000 sind afrikanischer Herkunft.
Die Masse der Deutschen hat zu den Ankömmlingen aus fremden Kulturen so gut wie keinen Kontakt. Somit gibt es in Deutschland trotz Sprachkursen und anderen Integrationsbemühungen zwei kaum miteinander kommunizierende soziale und kulturelle Welten. Eine Verschmelzung der eingewanderten Ethnien mit den deutschen Denk- und Verhaltensweisen wird nach dem derzeitigen Stand der Dinge einen sehr langen Zeitraum beanspruchen, sofern sie überhaupt gelingen kann.

Ob man bereits von den Ansätzen einer Parallelgesellschaft spricht, oder nach anderen Beschreibungen der Lage Zuflucht sucht, bleibt dem subjektiven Empfinden überlassen.
Der Politik kommt in jedem Fall die Aufgabe zu, zumindest das Entstehen einer Gegengesellschaft zu verhindern.


Titel-Foto: Echo Grid

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